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Im Profil: Renate Dittgen, Geschäftsführerin der dittgen Bauunternehmen GmbH

Frau Dittgen, seit 1974 leiten Sie die dittgen Bauunternehmen GmbH und können auf 40 Jahre Geschäftsführung zurück blicken. Was sind besondere Momente in Ihrer Karriere?

Es ist gar nicht so einfach, diese Frage mit einem Satz zu beantworten.  Besondere Momente in meinem Berufsleben sind immer Meilensteine gewesen, in denen sich unsere Firma weiterentwickelt hat. Ich denke da an den Umzug in ein neues Betriebsanwesen im Jahr 1988, aber ganz aktuell natürlich auch die Erweiterung unserer Verwaltung um einen weiteren Gebäudetrakt, um unseren  Mitarbeitern genügende Raum für ihre tägliche Arbeit zu geben. Auch die  Einführung eines Umwelt- und Qualitätsmanagementsystems sowie zahlreiche Auszeichnungen, die wir erhalten haben, bestärken mich auf meinem Weg.  Was mich aber am meisten berührt, sind Ereignisse, die mit Menschen, vor allem unseren Mitarbeitern zusammen hängen. So freue ich mich besonders darüber, dass wir ganz vielen jungen Menschen eine Ausbildung in einem der zahlreichen von uns angebotenen Ausbildungsberufe vermitteln können. Das Unternehmen sichert Arbeitsplätze in unserer Region und bietet Mitarbeitern zahlreiche Chancen für eine berufliche Weiterentwicklung. Das berührt mich am meisten, dass ich zu einer sicheren Zukunft für viele Menschen beitragen kann.  

Wie viele andere MINT-Berufe ist die Baubranche nach wie vor eher männlich geprägt. Wie erleben Sie Ihren Werdegang in einer noch heute männerdominierten Branche?

Wenn meine familiäre Vorgeschichte nicht gewesen wäre, so würden Sie mich heute bestimmt nicht in der Baubranche finden. Doch ich wurde ins sprichwörtlich kalte Wasser geworfen und habe es geschafft. Dafür bin ich dankbar, auch wenn ich bis heute als Frau eher die Ausnahme bin. Und das gibt mir zu denken. In den vergangenen vier Jahrzehnten hat sich bedauerlicherweise kaum etwas geändert. In dieser ganzen Zeitspanne haben sich bei dieser Thematik kaum Fortschritte gezeigt. Traurig stimmt mich, dass ich selbst bei meinen früheren Bemühungen, Frauen in dieser Branche zu fördern,  stets auf Widerstand, insbesondere von Frauen, gestoßen bin. Hier liegt die Schuld nicht allein bei den Männern, gerade die Frauen müssen ihre Denkweise vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels endlich überdenken. Persönlich fühle ich mich in dieser Männerdomäne immer noch als Außenseiterin, die eher als Störenfried in der „eingeschworenen männlichen Baubranche“  gesehen wird denn als Bereicherung. Trotz allem habe ich aber niemals resigniert und werde bei diesem Thema nicht aufgeben. 

Ihr Unternehmen nimmt an vielen Kampagnen teil und ergreift die Initiative, wenn es um weibliche Nachwuchsförderung in den technischen Berufen geht. Was hat sich in Ihren Augen im Laufe der Zeit hinsichtlich Chancengleichheit getan?

Aus meiner Sicht relativ wenig. Da wird viel geschrieben, aber in der Realität sieht das meist anders aus. Die Resonanz bei unseren Aktivitäten im Regionalen Bündnis des Landkreises Saarlouis ist ernüchternd. Dies hat sicherlich aber auch mit unserem ländlichen Umfeld zu tun. Dennoch gibt es Lichtblicke, wie etwa Mitarbeiter, die in Elternzeit gehen, damit ihre Lebenspartnerinnen sich beruflich weiter qualifizieren können. Oder auch unsere neue Bauleiterin, die nach der Ausbildung bei uns ein Studium absolviert hat und nun unser sehr männlich dominiertes Team bereichert. 

In Ihrer Mitarbeiterzeitung durchblick finden Diversity- und Gender-Themen einen Platz. So wird beispielsweise ein männlicher Mitarbeiter vorgestellt, der ein halbes Jahr Elternzeit genommen hat, um seine kleine Tochter zu betreuen. Ab diesem Jahr soll es eine weitere Rubrik „Frau im Beruf“ geben. Welche Resonanz erfahren Sie von Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern?

Dieser besondere Themenblock in unserer Mitarbeiterzeitung geht auf eine Beratung durch  die EAF zurück, sonst wurden die Beiträge thematisch nie gebündelt. Erstaunlicherweise ist die Resonanz im Außenfeld sehr positiv, was mich freut. Von Seiten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätte ich mir allerdings noch mehr  Zustimmung erwartet. Aber ist es wohl wie oft  mit anderen Themen, der Prophet im eigenen Lande zählt nicht. 

Im Programm „Mehr Frauen in Führungspositionen. Regionale Bündnisse für Chancengleichheit“ hat der Austausch zwischen Politik und Wirtschaft einen wichtigen Stellenwert. dittgen beteiligt sich aktiv im Regionalen Bündnis Saarlouis und Sie selbst engagieren sich neben unternehmenseigenen Kampagnen auch (kommunal-)politisch. Welche Bedeutung messen Sie dem Austausch von Politik und Wirtschaft bei?

Dieser Austausch der Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft  ist aus meiner Sicht ganz wichtig und entscheidend auf dem Weg zur  Chancengleichheit. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir erst dann ernsthafte Fortschritte in Richtung Chancengleichheit machen können, wenn sich das gesellschaftliche Umfeld ändert. Hier ist insbesondere die Politik gefragt, Impulse  bei der Frauenförderung zu geben. Nachbarländer in der EU sind da schon wesentlich weiter. Deshalb sollten unsere Bemühungen im Regionalen Bündnis dahin gehen, die politischen Instanzen mit ins Boot zu nehmen und gemeinsam daran zu arbeiten, dass Frauen in Führungspositionen zum Alltag werden und nicht weiterhin nur als  Ausnahmeerscheinungen, wie bei uns in der Baubranche, existieren.  

Abschließend würden wir gerne wissen, welche Vision Sie für die Zukunft in Bezug auf Chancengleichheit in Ihrem Unternehmen haben? Hat sich dittgen Bauunternehmen GmbH für 2014 konkrete Schritte vorgenommen?

In unseren betriebsspezifischen Vereinbarungen mit der EAF haben wir uns verpflichtet, den Frauenanteil zu erhöhen. Außerdem sollten weilbliche Auszubildende für den Ausbildungsberuf der Straßenbauerin und Baugeräteführerin gewonnen werden. Hier werden wir noch aktiver um neue Auszubildende werben, auch in den sozialen Netzwerken. Um die Chancengleichheit, insbesondere in der Führungsebene auf Dauer sicher zu stellen, bin ich als Geschäftsführerin gefragt. Hier gilt es,  noch eine Menge an  Überzeugungsarbeit zu leisten und viele mutige Schritte zu gehen. Auch hier werde ich nicht aufgeben. Mein Wunsch ist es,  mehr Firmen davon zu  überzeugen, dass gemischte Teams nur Vorteile bringen.  Und wir müssen Frauen die Angst nehmen, im Beruf Verantwortung zu übernehmen.